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entia-Kompendium:Infos rund um Werkstätten für Menschen mit Behinderung.
entia-Wissensbuch:Infos rund um Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

Der richtige Begriff: "Behindertenwerkstatt" oder "Werkstatt für Menschen mit Behinderung"?

Die drei Begriffe "Behindertenwerkstatt", "Werkstatt für behinderte Menschen" und "Werkstatt für Menschen mit Behinderung" bezeichnen im Wesentlichen dasselbe, nämlich eine Einrichtung, die Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht. Die Unterschiede liegen hauptsächlich in der sprachlichen Entwicklung und dem gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Behinderung.

In der Öffentlichkeit wird es häufig so dargestellt:

1. Behindertenwerkstatt:

Herkunft und Entstehung: Dies ist der älteste der drei Begriffe und war lange Zeit der Standard. Er entstand in einer Zeit, in der der Fokus stark auf der "Behinderung" lag und weniger auf dem Menschen selbst. Die Bezeichnung implizierte, dass die Werkstatt für die Behinderung da ist, um diese zu "behandeln" oder zu kompensieren. Die ersten Werkstätten entstanden oft aus Initiativen von Wohlfahrtsverbänden und kirchlichen Organisationen in den 1960er und 1970er Jahren, als es noch kaum andere Möglichkeiten für Menschen mit Behinderung gab, einer Beschäftigung nachzugehen.
Konnotation: Heute wird der Begriff "Behindertenwerkstatt" oft als stigmatisierend empfunden, da er die Behinderung in den Vordergrund stelle und den Menschen auf seine Einschränkung reduziere. Er klinge - so meinen es viele - defizitorientiert und könne eine negative Assoziation hervorrufen.

2. Werkstatt für Behinderte:

Herkunft und Entstehung: Dieser Begriff kam in den 1960er und 1970er Jahren auf.
Konnotation: Dieser begriff ist heute völlig ausser Gebrauch.

3. Werkstatt für behinderte Menschen:

Herkunft und Entstehung: Dieser Begriff kam in den 1980er und 1990er Jahren auf und versuchte, eine sprachliche Verbesserung zu erzielen. Er rückte den "Menschen" in den Mittelpunkt, auch wenn die Behinderung noch als Eigenschaft des Menschen genannt wurde. Die Wortreihenfolge "Werkstatt für behinderte Menschen" sollte betonen, dass die Werkstatt da ist, um Menschen zu dienen, die eine Behinderung haben.
Konnotation: Auch wenn dieser Begriff eine Verbesserung gegenüber "Behindertenwerkstatt" darstellte, wird er heute noch kritisiert, da er die Behinderung immer noch als wesentliches Merkmal des Menschen hervorhebt.

4. Werkstatt für Menschen mit Behinderung:

Herkunft und Entstehung: Dies ist der aktuell bevorzugte Begriff und spiegelt einen Paradigmenwechsel wider. Er betont, dass Menschen eine Behinderung haben, aber diese Behinderung nicht ihre gesamte Identität ausmacht. Die Präposition "mit" signalisiert, dass die Behinderung ein Attribut des Menschen ist, aber nicht seine definierende Eigenschaft. Dieser Begriff ist Teil einer inklusiveren Sprache, die den Menschen in den Vordergrund stellt und die Vielfalt der Gesellschaft anerkennt.
Konnotation: "Werkstatt für Menschen mit Behinderung" wird als respektvoller und wertschätzender empfunden, da er die Individualität des Menschen betont und die Behinderung als einen Aspekt von vielen betrachtet. Er entspricht dem Verständnis von Inklusion, das die gleichberechtigte Teilhabe aller Menschen in der Gesellschaft anstrebt.



Nutzung und Empfindung der Begriffe

Die Erklärungen oben geben die derzeitige allgemeine Haltung in der Bevölkerung wieder. Dennoch lässt sich vortrefflich darüber streiten.
Der Begriff "Behindertenwerkstatt" wird von vielen auch deshalb als kritisch angesehen, weil das Wort "Behinderung" als ungeeignet angesehen wird. Aktivisten begannen in den 90er Jahren darauf hinzuweisen, dass man nicht "behindert sei" sondern "behindert wird". Dass also viele Nachteile nicht auf der Behinderung selbst beruhten, sondern auf der Haltung der Gesellschaft. Tatsächlich lässt sich der Begriff der Behinderung nicht binär betrachten. Jeder Mensch hat seine Schwächen und ab wann man sie als "Behinderung" bezeichnet - dafür gibt es keine eindeutige Richtschnur.
Häufig wird heute der Begriff der "Beeinträchtigung" benutzt: Es gibt Menschen mit kognitiver, psychischer oder körperlicher Beinträchtigung. Auch hier ließe sich ausführlich darüber streiten, ob der Begriff der Beeinträchtigung tatsächlich positiver oder zumindest neutraler ist als der Begriff der Behinderung.

Auch ob "Mensch mit Behinderung" wirklich passender ist und den Mensch an sich besser in den Vordergrund stellt, kann bezweifelt werden. Wir sprachen von "Frau" und nicht von "Mensch mit weiblichem Geschlecht", von "Busfahrer" und nicht von "Mensch mit dem Beruf Busfahrer" etc.
Ob ein Begriff diskriminierend ist, hängt also meist vom Kontext ab. Entscheidend ist letztlich, ob Menschen respektvoll miteinander umgehen - auch in der Sprache.

Historisches

Die ersten Einrichtungen, die sich als Vorgänger der heutigen Werkstätten für Menschen mit Behinderung ansehen ließen, entstanden im 19.Jahrhundert. Damals wurden sie als "Arbeitsanstalten", "Verwahranstalten" oder "Beschäftigungsanstalten" bezeichnet. Hier arbeiteten mittellose oder arbeitslose Menschen, häufig auch Menschen mit Behinderung. An den Begriffen erkennt man schon, dass hier nicht die Förderung der Menschen im Vordergrund stand.
Wann genau der Begriff der "Behindertenwerkstatt" entstand, lässt sich nicht genaus sagen, weil er lange Zeit nur als umgangssprachliche Bezeichnung verwendet wurde.
In den 1970er Jahren stieg die Sensibilität im Umgang mit der Sprache, weshalb auch über diesen Begriff nachgedacht wurde. Wie lange aber sprachliche Umstellungen benötigen, sieht man auch an diesem Beispiel. Der Begriff "Werkstatt für Behinderte" (WfB) statt "Behindertenwerkstatt" wurde erstmals im Gesetz zur Sicherung der Eingliederung Schwerbehinderter in Arbeit, Beruf und Gesellschaft (Schwerbehindertengesetz - SchwbG) vom 29. April 1974 verwendet. Dort gab es den Paragraph "§54 Werkstätten für Behinderte". Im gleichen Jahr gab es am 20.Dezember eine Änderung des Arbeitsförderungsgesetzes. In §41 Abs.1 wird von "Werkstätten für behinderte Menschen" gesprochen. Beide Begriffe wurden also lange Zeit parallel verwendet. Noch heute wird in Gesetzen formal von "Werkstätten für behinderte Menschen" gesprochen, auch wenn im allgemeinen Sprachgebrauch "Werkstatt für Menschen mit Behinderung" schon seit Jahrzehnten verwendet wird.


Wichtiger Hinweis: Die Sensibilität für sprachliche Nuancen im Zusammenhang mit Behinderung ist sehr individuell. Was für den einen akzeptabel ist, kann für den anderen verletzend sein. Es ist daher ratsam, sich an der Selbstbezeichnung der betroffenen Personen zu orientieren und respektvoll mit dem Thema umzugehen. Die Begriffe sind ein Spiegelbild des gesellschaftlichen Wandels und der Bemühungen, eine inklusivere und gerechtere Gesellschaft zu schaffen.

Es gibt verschiedene Namen für Werkstätten, in denen Menschen mit Behinderung arbeiten können. Zum Beispiel "Behindertenwerkstatt", "Werkstatt für behinderte Menschen" und "Werkstatt für Menschen mit Behinderung".

Eigentlich meinen alle Namen dasselbe: Ein Ort, wo Menschen mit Behinderung arbeiten und am Arbeitsleben teilnehmen können.

Warum gibt es verschiedene Namen? Das liegt daran, dass sich die Sprache und die Meinung der Gesellschaft über Menschen mit Behinderung geändert haben.

Viele Menschen denken heute so:

1. Behindertenwerkstatt:

Woher kommt der Name? Dieser Name ist am ältesten. Früher hat man vor allem die "Behinderung" gesehen, nicht den Menschen. Der Name hat gesagt: Die Werkstatt ist für die Behinderung da, um sie zu "behandeln" oder auszugleichen. Die ersten Werkstätten gab es in den 1960er und 1970er Jahren. Damals gab es kaum andere Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung.

Was bedeutet der Name heute? Viele Menschen finden den Namen "Behindertenwerkstatt" schlecht. Er würde die Behinderung zu wichtig machen und den Menschen auf seine Einschränkung reduzieren. Er klingt negativ.

2. Werkstatt für Behinderte:

Woher kommt der Name? Diesen Namen gab es in den 1960er und 1970er Jahren.

Was bedeutet der Name heute? Diesen Namen benutzt heute niemand mehr.

3. Werkstatt für behinderte Menschen:

Woher kommt der Name? Diesen Namen gab es in den 1980er und 1990er Jahren. Er sollte besser sein als "Behindertenwerkstatt". Er hat den "Menschen" wichtiger gemacht, aber die Behinderung immer noch genannt. Der Name sollte sagen: Die Werkstatt ist für Menschen da, die eine Behinderung haben.

Was bedeutet der Name heute? Viele Menschen finden den Namen immer noch nicht gut. Er würde die Behinderung immer noch zu wichtig machen.

4. Werkstatt für Menschen mit Behinderung:

Woher kommt der Name? Diesen Namen benutzt man heute am liebsten. Er soll zeigen: Menschen *haben* eine Behinderung, aber die Behinderung ist nicht alles. Das Wort "mit" soll sagen: Die Behinderung gehört zum Menschen, aber sie macht ihn nicht aus. Dieser Name soll zeigen, dass alle Menschen verschieden sind und dazugehören.

Was bedeutet der Name heute? Viele Menschen finden den Namen "Werkstatt für Menschen mit Behinderung" gut. Er würde den Menschen respektieren und die Behinderung nicht so wichtig machen. Er passt zu dem Gedanken, dass alle Menschen gleichberechtigt sind und mitmachen können.

Was ist wichtig bei den Namen?

Die Namen oben zeigen, wie die Menschen heute meistens darüber denken. Aber man kann sich darüber streiten.

Viele finden "Behindertenwerkstatt" schlecht, weil sie das Wort "Behinderung" schlecht finden. Aktivisten haben in den 1990er Jahren gesagt: Man ist nicht "behindert", sondern man "wird behindert". Viele Nachteile kommen also nicht von der Behinderung selbst, sondern von der Meinung der Gesellschaft.

Es gibt auch das Wort "Beeinträchtigung". Aber auch darüber kann man streiten: Ist "Beeinträchtigung" wirklich besser als "Behinderung"?

Auch ob "Mensch mit Behinderung" wirklich besser ist und den Menschen wichtiger macht, ist nicht sicher. Wir sagen ja auch "Frau" und nicht "Mensch mit weiblichem Geschlecht".

Ob ein Name schlecht ist, kommt also auf die Situation an. Wichtig ist, dass Menschen sich respektvoll behandeln – auch in der Sprache.

Früher

Die ersten Einrichtungen für Menschen mit Behinderung gab es im 19. Jahrhundert. Sie hießen zum Beispiel "Arbeitsanstalt" oder "Verwahranstalt". Dort arbeiteten arme Menschen, oft auch Menschen mit Behinderung. Die Namen zeigen: Es ging nicht darum, die Menschen zu fördern.

Wann genau der Name "Behindertenwerkstatt" entstanden ist, kann man nicht genau sagen. Er wurde lange nur so gesagt.

In den 1970er Jahren haben die Menschen angefangen, mehr auf die Sprache zu achten. Deshalb haben sie auch über diesen Namen nachgedacht. Aber es dauert lange, bis sich die Sprache ändert. Das sieht man auch hier.

Der Name "Werkstatt für Behinderte" (WfB) statt "Behindertenwerkstatt" wurde 1974 zum ersten Mal in einem Gesetz benutzt. Aber im selben Jahr gab es auch ein anderes Gesetz, wo von "Werkstätten für behinderte Menschen" die Rede war. Beide Namen wurden also lange gleichzeitig benutzt.

Auch heute steht in Gesetzen noch "Werkstätten für behinderte Menschen", obwohl die meisten Leute schon lange "Werkstatt für Menschen mit Behinderung" sagen.

Wichtig: Jeder Mensch ist anders. Was der eine gut findet, kann den anderen verletzen. Deshalb ist es am besten, die Menschen selbst zu fragen, wie sie genannt werden wollen. Die Sprache ändert sich immer wieder. Wir sollten respektvoll miteinander umgehen.

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